[Debatte]
Das
ist doch unbezahlbar!
Für
ein Grundeinkommen von 1.000 Euro pro Monat und Kopf bedürfte es jährlich
rund einer Billionen Euro. Da stellt sich selbstverständlich die Frage
nach der Finanzierbarkeit. Dazu wurden verschiedene Vorschläge erarbeitet,
die natürlich noch weiter untersucht werden müssen. Erstens ersetzt
das garantierte Grundeinkommen bestehende Sozialleistungen. Allein
im Jahr 2000 wurden in der BRD 680 Milliarden Euro Transferleistungen
ausgezahlt. Schon durch den Abbau der dafür erforderlichen Bürokratie
werden Mittel eingespart. Außerdem rechnet man damit, dass 30 Prozent
des Geldes, das an Finanzschwächere geht, über den Umweg von mehr
Konsum, Umsatzankurbelung, Mehrwert- sowie Umsatzsteuer wieder im
Staatshaushalt landet. Die BAG Sozialhilfeinitiativen hat darüber
hinaus eine 50-prozentige Abgabe auf alle Nettoeinkommen vorgeschlagen.
Dieser Vorschlag ist nicht unumstritten, da er de facto einer Steuererhöhung
gleichkäme. Es ist jedoch zu beachten, dass jeder im Monat ca. 1000
Euro bekommt. Bei einem Grundeinkommen in Höhe von 1000 Euro, wird
die „Take-half“-Abgabe also erst ab einem Nettoeinkommen von mehr
als 2000 Euro zu einem Minusgeschäft für den einzelnen. Dafür hat
er die Sicherheit, dass er und alle Familienmitglieder in jeder persönlichen
Krisenzeit garantiert finanziell mit einem Grundeinkommen abgesichert
sind.
In
diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass es sich hierbei eigentlich
nicht um eine Frage der Finanzierung im betriebswirtschaftlichen Sinne
handelt. Vielmehr geht es um makroökonomische Verteilungsprozesse.
Es geht um eine »Sozialisierung der Investitionen«
[6] bzw. um einen Umverteilungsprozess innerhalb unseres heutigen
Bruttosozialproduktes. Dieses betrug im Jahr 2002 rund 2,1 Billionen
Euro.
So
leer auch die öffentlichen Kassen sind, so ist doch auf der anderen
Seite viel Reichtum vorhanden. Von 1994 bis 2001 erhöhten sich die
Gewinne der Großunternehmen um 64 Prozent. Allein im vergangenen
Jahr stieg die Zahl der deutschen Euro-Millionäre um 25.000. Während
die Arbeitseinkommen seit Jahren stagnieren und sinken, haben die
Einkommen aus Vermögensbesitz seit 1990 um über 60 Prozent zugelegt.
Ein neuer Verteilungskompromiss erfordert natürlich eine grundlegende
Reform des Steuersystems. Eine solche Reform ist jedoch sowieso
im Sinne der sozialen Gerechtigkeit erforderlich. Schließlich entlastet
das bestehende Steuersystem zunehmend große Unternehmen sowie Besserverdienende.[7]
[6]
Vgl. Deutschmann, Christoph: Die heimliche Wiederkehr des Keynesianismus.
Nicht in hohen Sozialleistungen, sondern in den unrealistischen
Renditeansprüchen der Finanzinvestoren liegt die eigentliche Ursache
der gegenwärtigen Krise. In: Frankfurter Rundschau 02.12. 2003.
[7]
So werden durch die geplante Senkung der Einkommenssteuer vor allem
diejenigen entlastet, deren Einkommen 500.000 Euro und mehr beträgt.