[Debatte]
Dann
liegen doch alle nur noch in der Hängematte!
Der
Drang, sich selbst zu verwirklichen, ist eine menschliche Grundeigenschaft.
Der unbezahlte Einsatz vieler während der Flut im Jahre 2002 bewies:
Es gibt bei vielen die Bereitschaft, Tätigkeiten, von deren Notwendigkeit
sie überzeugt sind, zu erledigen. Auch die Tatsache, dass 34 Prozent
der Bevölkerung (22 Millionen Menschen) sich regelmäßig mehr als 15
Wochenstunden ehrenamtlich engagieren, belegt diese Annahme. Außerdem
besteht auch weiterhin ein materieller Anreiz zur Erwerbsarbeit. 750
bis 1000 Euro im Monat sind schließlich kein Reichtum.
Ein
Nebeneffekt besteht gerade darin, dass schlecht bezahlte Berufe, zum
Beispiel in der Pflege, besser vergütet werden. Schließlich wird es
nicht mehr den Druck geben, Arbeit zu jedem Preis annehmen zu müssen.
Die Beschäftigten wären demnach in einer besseren Verhandlungsposition.
Dies wird ebenfalls für zunehmenden Druck zur Automatisierung bei
unangenehmen Jobs wie beim Müllsortieren sorgen. Wer einmal eine manuelle
Abfallsortierungshalle von innen erlebt hat, wird begrüßen, wenn diese
Arbeit in Zukunft automatisch erledigt wird.
Gegnerinnen
und Gegner des Grundeinkommens unterstellen gern, es ginge nur ums
bezahlte Faulenzen. Dies trifft nicht zu. Im Gegenteil, erst das garantierte
Grundeinkommen ermöglicht es, die zunehmende Spaltung der Gesellschaft
in Arbeitende und Erwerbslose aufzuheben. Nur konsequente Arbeitszeitverkürzung
und Steigerung der Massenkaufkraft können nachhaltig Arbeitslosigkeit
abbauen. Dass mit einem Grundeinkommen die Massenkaufkraft gestärkt
wird, ist unbestritten. Bei Arbeitszeitverkürzung stellt sich die
Frage‚ ob mit vollem Lohnausgleich. So manches große Unternehmen mag
in der Lage sein, diese richtige politische Forderung zu finanzieren.
Aber zumindest die meisten Kommunen und kleinen Betriebe sind dazu
nicht fähig. An dieser Stelle kann das Grundeinkommen als eine Art
Lohnausgleich fungieren.
Sicherlich:
Es wird auch faule Bezieherinnen und Bezieher eines Grundeinkommens
geben. So wie es eben auch faule Millionäre und faule Kinder reicher
Eltern gibt. Doch ob faul oder nicht, als humanistisch eingestellter
Mensch sollte man es in dieser Frage mit Erich Fromm halten: »Dieses
Recht auf Leben, Nahrung und Unterkunft, auf medizinische Versorgung,
Bildung usw. ist ein dem Menschen angeborenes Recht, das unter keinen
Umständen eingeschränkt werden darf, nicht einmal im Hinblick darauf,
ob der Betreffende für die Gesellschaft von Nutzen ist.