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Marko Forberger - update: 08.08.2004

 

 

 

 

 

 

 

 

[Debatte]

Dann liegen doch alle nur noch in der Hängematte!

Der Drang, sich selbst zu verwirklichen, ist eine menschliche Grundeigenschaft. Der unbezahlte Einsatz vieler während der Flut im Jahre 2002 bewies: Es gibt bei vielen die Bereitschaft, Tätigkeiten, von deren Notwendigkeit sie überzeugt sind, zu erledigen. Auch die Tatsache, dass 34 Prozent der Bevölkerung (22 Millionen Menschen) sich regelmäßig mehr als 15 Wochenstunden ehrenamtlich engagieren, belegt diese Annahme. Außerdem besteht auch weiterhin ein materieller Anreiz zur Erwerbsarbeit. 750 bis 1000 Euro im Monat sind schließlich kein Reichtum.

Ein Nebeneffekt besteht gerade darin, dass schlecht bezahlte Berufe, zum Beispiel in der Pflege, besser vergütet werden. Schließlich wird es nicht mehr den Druck geben, Arbeit zu jedem Preis annehmen zu müssen. Die Beschäftigten wären demnach in einer besseren Verhandlungsposition. Dies wird ebenfalls für zunehmenden Druck zur Automatisierung bei unangenehmen Jobs wie beim Müllsortieren sorgen. Wer einmal eine manuelle Abfallsortierungshalle von innen erlebt hat, wird begrüßen, wenn diese Arbeit in Zukunft automatisch erledigt wird.

Gegnerinnen und Gegner des Grundeinkommens unterstellen gern, es ginge nur ums bezahlte Faulenzen. Dies trifft nicht zu. Im Gegenteil, erst das garantierte Grundeinkommen ermöglicht es, die zunehmende Spaltung der Gesellschaft in Arbeitende und Erwerbslose aufzuheben. Nur konsequente Arbeitszeitverkürzung und Steigerung der Massenkaufkraft können nachhaltig Arbeitslosigkeit abbauen. Dass mit einem Grundeinkommen die Massenkaufkraft gestärkt wird, ist unbestritten. Bei Arbeitszeitverkürzung stellt sich die Frage‚ ob mit vollem Lohnausgleich. So manches große Unternehmen mag in der Lage sein, diese richtige politische Forderung zu finanzieren. Aber zumindest die meisten Kommunen und kleinen Betriebe sind dazu nicht fähig. An dieser Stelle kann das Grundeinkommen als eine Art Lohnausgleich fungieren.

Sicherlich: Es wird auch faule Bezieherinnen und Bezieher eines Grundeinkommens geben. So wie es eben auch faule Millionäre und faule Kinder reicher Eltern gibt. Doch ob faul oder nicht, als humanistisch eingestellter Mensch sollte man es in dieser Frage mit Erich Fromm halten: »Dieses Recht auf Leben, Nahrung und Unterkunft, auf medizinische Versorgung, Bildung usw. ist ein dem Menschen angeborenes Recht, das unter keinen Umständen eingeschränkt werden darf, nicht einmal im Hinblick darauf, ob der Betreffende für die Gesellschaft von Nutzen ist.