[Debatte]
Zustand
der sozialen Sicherungssysteme
Unser
Sozialsystem ist unmittelbar an Erwerbsarbeit gekoppelt. Dies begründet
seine Krisenanfälligkeit in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit.[4]
Die existierenden Sicherungssysteme fangen zwar Menschen in Not auf,
jedoch ermöglicht das Arbeitslosengeld II kein Leben jenseits der
Armut. Leistungsempfängerinnen und -empfänger müssen sich zudem einer
erniedrigenden Bedarfsprüfung unterziehen. Die Anrechnung von Partnereinkommen
schafft Abhängigkeitsverhältnisse. Die bisherige Bedarfsprüfung bevorteilt
Menschen, die auf Grund ihres Bildungsstandes und ihrer kommunikativen
Kompetenz problemlos die bürokratische Prozedur handhaben können.
Die wirklichen sozialen Härtefälle hingegen sind benachteiligt. Schließlich
werden immer noch Menschen obdachlos, einfach weil sie der bürokratischen
Prozedur nicht gewachsen sind.
Hinzu
kommt, dass die Auszahlung zunehmend an den Zwang, jedes Jobangebot
zu jedem Preis anzunehmen, gekoppelt wird. Im Sinne eines selbstbestimmten
Lebens und einer Arbeitswelt, in welcher der einzelne vor dem »Terror
der Ökonomie« geschützt wird, gehören Bedarfsprüfung und Arbeitszwang
abgeschafft.
[4]
Vgl dazu: Ralf Ptak: Zur Entwicklung des deutschen Sozialstaates.
In: Sozialstaat und neoliberale Hegemonie. Berlin 1998.