[Literaturtipps]
Jens-Eberhard
Jahn: Mühe und Muße. Grundsicherung, Grundeinkommen, sozialökologischer
Umbau der Gesellschaft.
Rosa-Luxemburg-Stiftung-Sachsen-e.V.
Leipzig, 2003. 143 S., Euro 7,50.
"Wäre
der tägliche Bissen so sicher wie die Luft, dann gäbe es kein Elend.
So aber wächst nur im Traum das Brot wie Laub auf den Bäumen. Vorhanden
ist nichts dergleichen, das Leben ist hart, und trotzdem war stets ein
Gefühl des Auswegs da und daß er möglich sei. Da er so lange nicht gefunden
wurde, schwärmte träumerischer Mut nach überallhin aus." (Ernst
Bloch)
"Es
ist eine politische Entscheidung, den Sozialstaat ab- und nicht auszubauen.
Denn Geld ist genug da." (Friederike Habermann)
"Ein
Grundeinkommen wäre das Äquivalent für Tätigkeiten, derer die Gesellschaft
bedarf, die aber über keinen Tauschwert auf dem Arbeitsmarkt verfügen."
(Bernd Rump, Mitarbeiter der PDS-Fraktion im Sächsischen Landtag)
"Wir haben inzwischen eine Produktivität erreicht, die unter minimalstem
Einsatz von Arbeit für alle das Lebensnotwendige absichern könnte. Nur
mit der gerechten Verteilung dieses Lebensnotwendigen, orientiert an
der Anerkennung unterschiedlicher schöpferischer Anlagen statt am Marktwert
der Menschen, hapert es noch." (Ronald Blaschke, Sprecher der Sächsischen
Armutskonferenz)
In
dem im November 2003 erschienen Band unternimmt Jahn zunächst eine schonungslose
Analyse der derzeitigen gesellschaftlichen Bedingungen unter besonderer
Berücksichtigung der Krise der sozialen Sicherungssysteme. In einem
zweiten Kapitel stellt er unterschiedliche Reformansätze zur Rettung
sozialer Sicherung in Deutschland und Europa vor. Diese werden in einen
geistes- und sozialgeschichtlichen Zusammenhang mit Sozialutopien mehrerer
Jahrtausende gestellt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Darstellung
der Diskussion zu Grundsicherungs- und Grundeinkommensmodellen in den
letzen drei Jahrzehnten. Jahn plädiert schließlich für eine Entkoppelung
von Arbeit und Einkommen und für ein ökonomisch und naturrechtlich begründetes
Grundeinkommen für alle Bürgerinnen und Bürger. Im Vordergrund seiner
Betrachtungen stehen dabei Überlegungen, ob und wie sich die Linke ein
solches Konzept zu eigen machen und gegebenenfalls auch durchsetzen
kann.
Jens-Eberhard
Jahn in Mühe und Muße: „Erst wenn dieses Diktat der Erwerbsarbeit gebrochen
ist, kann wirkliche Emanzipation stattfinden, kann ein Zustand erreicht
werden, in dem der Mensch wirklich Mensch sein kann (...). Möglich wäre
es, alle Menschen vom Zwang zur Erwerbsarbeit zu befreien – die verbleibende
Frage ist deshalb, ob es wünschenswert und politisch durchsetzbar ist.
Sollte die Frage bejaht werden, so ist dieses Ziel meines Erachtens
am Besten mit einer Sozialdividende als allgemeinem steuerfinanzierten
Grundeinkommen zu erreichen.“