Marko
Forberger - update:
08.08.2004
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[Debatte]
Fortsetzung
von Seite 1
Die
Finanzierung
der medizinischen Versorgung sei nicht mehr gesichert und
deshalb, so zumindest die neoliberale Logik, müssten
Beiträge und Zuzahlungen pauschalisiert und erhöht
werden. Das 395 Krankenkassen in Deutschland eventuell 394
zu viel sein könnten, oder dass vielleicht auch die Einzahlung
von vermögenden Bevölkerungsschichten sinnvoll wäre,
kommt mit Verweis auf Konkurrenz und „freie“ Kassenwahl
nicht in Betracht.
Es
gelte die Generationengerechtigkeit wieder herzustellen und
gemeint ist die intergenerationelle Solidarität der einkommensschwachen
Schichten, nicht aber die intragenerationelle Solidarität
zwischen oben und unten. Erwerbslose, Bezieher von Arbeitslosengeld,
-hilfe oder Sozialhilfe sollen für noch weniger Geld
arbeiten, Tarifverträge umgehen und sich möglichst
öffentlich für ihre „gesellschaftsschädliche“
Lebensweise verantworten. Die Liste der Betroffenen ist über
Kinder, Alleinerziehende, Schülerinnen und Schüler,
Studierende, Lehrerinnen und Lehrer, Behinderte, Migrantinnen
und Migranten etc. weiter fortsetzbar.
Unabhängig
von den heutigen neoliberal konnotierten Fragen und Antworten
dreht sich die Diskussion in der PDS um den emanzipatorischen
Anspruch „Was steht dem Mensch zu weil er ein Mensch
ist?“. Es gilt den Mensch und seine Bedürfnisse
wieder in den Mittelpunkt politischen Denkens und Handelns
zu setzten. Schriftlich fixierte Freiheitsrechte bedürfen
einer materiellen Untersetzung, ansonsten laufen wir Gefahr
Menschenrechte zur Ware zu deklarieren. Freiheit und Gleichheit
können nur gemeinsam, als zwei Seiten einer Medaille,
gedacht werden. Erst beim Wechsel dieses Fokus stellen sich
die Probleme und die damit verbundenen Fragen und Antworten
dem Betrachter in einem völlig neuen Kontext dar. Seit
20 Jahren existiert in der Linken die Debatte um Existenzgeld,
Grundeinkommen bzw. soziale Grundsicherung. Gemeint ist allgemein
ein bedarfsunabhängiger, bedingungslos und steuerfinanzierter
finanzieller Betrag für jede und jeden, unabhängig
von sozial konstruierten Kategorien.
Die
PDS ist in dieser Debatte noch Neuling. Trotz gewisser zaghafter
Diskussionen und einem Antrag der Bundestagsfraktion aus dem
Jahre 1996 sind wir als Akteur in diesem Diskurs noch nicht
wahrnehmbar vertreten. Die stellvertretende Parteivorsitzende
der PDS, Katja Kipping, hat mit ihrer Forderung nach einer bedingungslosen
sozialen Grundsicherung in Höhe von 1000 Euro im Monat
auf dem Parteitag im Juni 2003 für Aufsehen gesorgt und
die Debatte neu entfacht. In der sächsischen PDS gibt es
dazu seit einem reichlichen Jahr heftige Diskussionen. Es gilt
nun diese fachlich weiter zu untersetzen, zu koordinieren und
den Versuch zu unternehmen den öffentlichen Raum dafür
zu sensibilisieren. Es gilt die Idee einer sozialen Grundsicherung,
im Sinne eines bedingungslosen Grundeinkommens, als Alternative
zur neoliberalen Polemik zu etablieren.
Michael
Leutert, stellv. Landesvorsitzender der PDS Sachsen
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