Was
wir tun können, um die Teilnahme von Nazis an den Anti-Hartz
4 Protesten zu verhindern
13.August
2004
Liebe
Freundinnen und Freunde,
in den letzten Tagen sind Zehntausende in ostdeutschen Städten,
aber zunehmende auch in westdeuschen Städten, bei Montagsdemonstrationen gegen Hartz IV auf die Straße gegangen. Wir begrüßen diese Bewegung
von unten als Ausdruck einer beginnenden breiten Bewegung gegen die unsoziale Politik der Schröder-Regierung. Wir freuen uns, wenn diese Bewegung sich
in der gesamten Republik ausbreitet. Nur so besteht eine realistische Chance für die Rücknahme von Hartz 4! Hartz 4 muss weg!
"Falsche Freunde" aus der
aktiven Neonaziszene um die NPD und die "Freien Kameradschaften" - vor allem in Sachsen und Sachsen-Anhalt
- versuchen, diese Proteste für sich zu gewinnen. Solchen Versuchen erteilen
wir eine klare Absage. Nazis haben auf Hartz 4 Demonstrationen nichts
verloren!
Hartz 4 trifft alle Bevölkerungsgruppen,
doch zuerst diejenigen, die bereits unter schwierigsten Bedingungen in der BRD leben und arbeiten.
Dies sind vor allen Migrantinnen und Migranten. Sie sind häufig benachteiligt beim Zugang zum Arbeitsmarkt, arbeiten in Niedriglohnjobs unter gesetzwidrigen
Arbeitsbedingungen und werden überdies diskriminiert. Wir wollen, dass Migrantinnen und Migranten gleiche Rechte haben wie BRD-StaatsbürgerInnen,
Anstellung in qualifizierten Jobs finden und in den Sozialversicherungssystemen ihre existenzielle Absicherung
finden.
Mit
Hartz IV verschlechtert für wenige MigrantInnen die Lebens-
und Arbeitsbedingungen weiter und leitet einen Verdrängungswettbewerb
um Arbeit zu Armutslöhnen ein. Diejenigen, die bislang über
eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung Ansprüche
auf Arbeitslosengeld o. -hilfe erworben haben fallen nach
dem Arbeitslosengeldbezug unter den Geltungsbereich des Asylbewerberleistungsgesetzes
(AsylbLG). Mit dem Zuwanderungsgesetz fallen außerdem alle
Personen künftig unter das AsylbLG, die nach der Altfallregelung
eine Aufenthaltsbefugnis besitzen. Obwohl für sie bereits
ein unbegrenzter Arbeitsmarktzugang vorliegt, können sie kein
Arbeitslosengeld II beantragen. Beide Gruppen sind damit ab
1.1.2005 von möglichen Eingliederungsleistungen in Arbeit
abgeschnitten. Erst nach zwölf Monaten haben sie (wieder)
ein Recht auf einen nachrangigen Arbeitsmarktzugang. Wenn
nunmehr nach Hartz IV für Langzeitarbeitlose vorrangig fast
jede Arbeit als zumutbar gilt, wird es für MigrantInnen noch
schwieriger, überhaupt einen Job zu bekommen.
Um einer weiteren Spaltung in "Deutsche"
und "Ausländer" entgegenzuwirken, haben wir alle - Erwerbslose, bereits im Niedriglohnsegment
Beschäftigte, Studierende, RentnerInnen, MigrantInnen und auch noch gut in Lohn und Brot stehende Menschen - ein gemeinsames Interesse daran, dass
Hartz 4 zurückgenommen wird. Um eine Vereinnahmung der Proteste von rechts unmöglich zu machen, schlagen wir vor:
1. Mit Flüchtlingsgruppen, MigrantInnenorganisationen
und Initiativen zur Legalisierung der Rechte von Illegalen ohne Ausweispapiere und Flüchtlingen bei der Vorbereitung von Demonstrationen und anderen Aktivitäten
eng zusammenarbeiten.
2. In den Forderungen, Aufrufen und
Redebeiträgen für die Montagsdemonstrationen die sozialen Rechte von Flüchtlingen, Papierlosen und
MigrantInnen zu betonen.
3. In der Pressearbeit die Situation
von Flüchtlingen, MigrantInnen sowie Illegalisierten zu thematisieren.
4. Mit antifaschistischen Gruppen und
Initiativen bei den sozialen Protesten zusammenzuarbeiten.
Erstunterzeichner:
Michael
Prütz (Volksbegehren Soziales Berlin)
Sascha Kimpel (Berliner Sozialbündnis)
Katja Kipping (stv. Bundesvorsitzende PDS)
Pedram Shayar (attac Koordinierungskreis)
Werner Halbauer (Berliner Sozialbündnis)
Tim Laumeyer (Antifaschistische Linke Berlin)
Anne Allex (BAG der Sozialhilfeinitiativen)